Tips zum sicheren Gebirgs und Alpenflug

Die Statistik beweist es eindrücklich; immer wieder verunglücken vor allem Flachland Piloten, nicht zuletzt aus Deutschland in den Schweizer Alpen. Sie wissen wohl in der Theorie um die speziellen Schwierigkeiten in grossen Flughöhen, können aber dieses Wissen nicht in die reale Praxis umsetzen.

Nicht umsonst müssen Schweizer Piloten zum Erwerb ihres PPL zwei Alpeneinweisungen mit einem Fluglehrer absolvieren. Jedem, der auch nur einmal in seinem Leben die Alpen überqueren will, möchte ich eine solche Einweisung dringend empfehlen.
Jede Flugschule, an jedem Schweizer Flugplatz verfügt über dafür ausgewiesene Fluglehrer. Nur zwei Tage müssen dafür geopfert werden. Doch das ist sicher viel besser als sein Leben !

Ausserdem sind wir Schweizer ja nette und gesellige Leute und verfügen über wunderschöne Hotels  :)

Folgende Punkte seien einem jedem ans Herz gelegt:

1. In den Alpen fliegt man nur bei wirklich schönem Wetter ! Dazu gehören nicht nur gute Sicht sondern auch minimale Windstärken!

 

2. Planen Sie Ihren Flug ganz exact und folgen Sie den für Alpenüberquerungen vorgesehenen Routen (gestrichelte violette Linien in der Schweizer ICAO Karte). Beachten Sie auch die für die Strecke vorgeschlagenen Minimalflughöhen. Sind diese nicht zu halten gibts nur einen Entscheid, Umkehrkurve und zurück. Geben Sie immer auch einen Flugplan auf ! Zu den Vorsichtsmassnahmen gehört auch die Mitnahme eines funktionsfähigen ELT und, auch wenns im Sommer blöd aussieht,  ausreichend warme Bekleidung.

 

3. Ziehen Sie das Gafor für die gewählte Route zu Rate. Unterhalb von D wie diffuculte, was ja bereits schwierig heisst, läuft für Sie, die Sie nicht über einheimische Ortskenntnisse verfügen, rein gar nichts.
Verfügen Sie über das PC_met des DWD, gibt gibt die experimentelle Cross Section Vorhersage, Zürich LSZH - Mailand LIML, sehr gute Auskünfte über den Bewölkungsgrad, die Winde und die Temperaturverteilung im Alpenraum über der Schweiz.
Beispiel vom 20. 05. 2000

Berücksichtigen Sie vor allem bei Hockdrucklagen im Sommer den ausgeprägten Tagesgang des Wetters. Die starke Sonneneinstrahlung bewirkt in den Alpen beim Vorhandensein von feuchter Luft, dass diese aufsteigt und quillt. Bald einmal säumen die ersten Cumulus Wolken die Alpentäler. Am Nachmittag können sie sich zu riesigen Gewitterwolken türmen, die ein Durchkommen verunmöglichen. Heftige sich entladende Gewitter müssen ohnehin gemieden werden. Nutzen Sie deshalb die kühle und klare Luft des Morgens für Ihre Alpenquerung.

 

4. No go auch für Winde oberhalb von 25 knots in 10000 oder 35 knots in 18000 Fuss. Ganz besondere Beachtung verdienen Nord und Südföhn. Einer sogenannten Föhnwand (Wolkenwand auf der Leeseite des Gebirges), nähert sich kein vernünftiger Pilot, der seine 7 Sinne beisammen hat. Schon leichte Gegenwinde in einem Föhntal haben oft eine Abwindkomponente, die die Steigfähigkeit Ihrer Maschine bei weitem übertrifft. Ausserdem halte man sich bei Wind von Kreten und Graten fern, da in ihrem Bereich mit stärkern Turbulenzen und Rotoren zu rechnen ist.

 

5. Die Leistungsfähigkeit Ihres Flugzeuges ist in grossen Höhen drastisch verringert. Jeder weiss es, aber gerade weil so viele daraus nicht die richtigen Konsequenzen ziehen, resultieren aus dieser Tatsache die überaus meisten Unfälle in den Alpen.
Hohe Temperaturen (schönes Sommerwetter) und grosse Luftfeuchtigkeit verringern die Leistung zusätzlich. Die Lande und besonders die Startstrecken wachsen unglaublich, die Kurvenradien werden bei gleicher Speedanzeige wesentlich grösser, da sich das Flugzeug in der dünnen Luft über Grund ja viel schneller bewegt als im Flachland, das Variometer bleibt auch bei maximalem Anstellwinkel und Motorleistung bald einmal bei Null kleben oder zeigt sogar böse nach unten, wenn Sie sich gerade unglücklicher Weise in einem Abwindfeld befinden.
Um das Maximum aus Ihrem Motor heraus zu holen, magern Sie unbedingt das Gemisch optimal ab. Schauen Sie dafür wieder mal ins Manual.

 

6. Nebst optimalem Leanen ist eine gute Flugtaktik lebenswichtig!
Damit der Höhenmesser Ihre wirkliche  Höhe über Meer anzeigt, wird in den Alpen selbstverständlich mit der QNH Höhenmesser Einstellung geflogen. Seien Sie sich aber bewusst, dass die Höhenanzeige aber dennoch von der Tatsächlichen abweicht, sofern nicht Standart Temperaturen herrschen. Die Faustregel: Wenn es zu kalt ist, befinden sie sich unterhalb der vom Höhenmesser angezeigten Höhe, wenn es zu warm ist, dann darüber. (Formel: pro 10° Abweichung Korrektur der angezeigten Höhe um 4%)
Fliegen Sie nie in ein Tal ein, ohne dass Sie sich nicht schon am Taleingang mindestens 1000 Fuss (bei Wind eher 2000) über dem dahinter liegenden Pass befinden. Fliegen Sie nicht in der Talmitte sondern an der einen oder andern Seite, um immer genügend Platz für eine etwaige Umkehrkurve zu haben. In der Regel wird das die recht Talseite sein, ausser dort gibts Abwinde und gegenüber gehts eher hoch; Vorsicht jetzt kommt Ihnen der Gegenverkehr sicher auf Ihrer Talseite entgegen ! Bei einer Umkehrkurve im Gebirge können Sie nicht wie im Flachland einem ebenen Horizont folgen; halten Sie deshalb ganz besonders auch die Geschwindigkeit und wenn vorhanden künstlichen Horizont im Auge, setzten Sie wenn nötig volle Leistung, ja senken sie die Nase, wenn die Geschwindigkeit fallende Tendenz hat. Fliegen sie die Kurve mit etwa 45° Schräglage. Da Sie sich ja nun ohnehin auf der Luvseite eines Tales aufhalten, werden Sie vom Hang wegkurvend in den Wind hinein fliegen. Dadurch wird der benötigte Raum für eine Kurve bereits geringer als wenn sie das Vorhaben von der Leeseite eines Tales aus beginnen.
Seien Sie sich aber auch bewusst, dass Ihr Kurvenradius im Quadrat mit der Geschwindigkeit wächst. Es macht deshalb durchaus Sinn, wenn Sie besonders mit schnellen und starken! Maschinen in engen Tälern die Geschwindigkeit zum vornherein etwas verringern, um wirklich jederzeit die Kurve zu schaffen. Einige Autoren empfehlen, dass die Umkehrkurve immer mit der sogenannten Corner resp. Maneuvering Speed Va geflogen werden solle. Nur so sei die theoretisch engste Kurve möglich. Dies ist sicher richtig, allerdings müssen dafür grosse Schräglagen 60° + und erhebliche Gs (3+ je nach Flgz Typ) gezogen werden.
Einen Pass überqueren Sie immer im 45 Grad Winkel von der Seite, um wenns dahinter nicht weiter geht, leicht ins offene Tal zurückdrehen zu können. Halten Sie Variometer und Höhenmesser bei der Annäherung an den Pass im Auge und zögern Sie keine Sekunde bei abnehmender Höhe umzudrehen und es eine Etage höher nochmals zu versuchen.

 

7. Vorsicht auch in den Tälern, denn sie sind geradezu mit Kabeln verseucht. Fast jedes Jahr sind meist tödliche Abstürze wegen Kollisionen mit den unsichtbaren Killern zu verzeichnen. Daher ist es ein Gebot der Vernunft, nie zu tief in einem Tal zu fliegen und immer davon auszugehen, dass wo ein Kabel gespannt werden könnte, auch eines gespannt ist. Weiter Tips zum Kabalsalat hier. newr.gif (3167 Byte)

 

8. Wichtig ! der typische Unfall am Pass läuft wie folgt ab ! Der Pilot versucht den Pass im Steigflug zu überqueren. Die Flugzeugnase schaut dabei in die Luft und so auch der Pilot. Das Bild, das er dabei vor sich hat, gaukelt ihm vor, er könne den Pass leicht überwinden, ja er befinde sich sogar viel höher als der Pass selbst. Das ist aber nur eine optische Täuschung ! Würde das Flugzeug in horizontal Lage gebracht, würde man klar den Passübergang vor oder über sich haben. So wird nun weiter geflogen bis es zur Umkehr zu spät ist, oder man ist dann in der Umkehrkurve, weil ohnehin mit maximalem Anstellwinkel und minimaler Fahrt unterwegs zu langsam und stallt das Flugzeug. Also bitte, bitte, wenn Sie noch ein bisschen leben wollen, schrauben Sie sich vor dem Einflug ins Tal über die Passhöhe und bringen Sie das Flugzeug um Gottes Willen in eine horizontale Fluglage !  

Hier ein Unfallbericht eines typischen Unfalles am Gotthard Pass: newr.gif (3167 Byte)

 

9. Und noch etwas, das immer wieder meist auch noch ohne Sauerstoff und Turbolader versucht wird. VFR on top über die Alpen, ist nichts weiter als Russisches Roulett. Vergessen Sie`s !    Hier ein negatives Beispiel wie man es nicht machen soll und so auch nicht.

 

Sicherlich sind bei diesen kurzen Überlegungen nicht alle Faktoren berücksichtigt, die es zu beachten gilt. Eine Haftung muss ich deshalb strikte ablehnen. Nichts dem zum Trotz kann Fliegen in den Alpen, wenn seriös betrieben, überaus sicher sein und die Eindrücke, die sich einem einprägen, gehören zu den schönsten Erlebnissen, die sich mit einem Flugzeug überhaupt erfliegen lassen.
Scheuen Sie sich darum nicht davor und machen Sie sich auf jeden Fall schlauer mit mindestens einer, besser zwei Alpeneinweisung! Ich hoffe, ich treffe Sie dann bald bei uns in unserer herrlichen Schweizer Berg und Gletscherwelt.

 

Hans Fuchs die gängigen Routen über die Schweizer Alpen Home Gletscherflug